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Gewitter – Werden sie wirklich mehr?

Wer kennt es nicht: Man steht an einem sonnigen und schwül-warmen Tag auf und freut sich auf den Feierabend – und vor allem darauf endlich baden zu gehen. Man denkt den ganzen Tag daran, wie schön es doch wäre sich abends die wohltuende und wohlverdiente Abkühlung zu gönnen und entspannt das kühle Nass und die Sonne zu genießen. Doch dann passiert natürlich das: Kaum naht der Feierabend, schon beginnt es aus heiterem Himmel und wie auf Knopfdruck zu gewittern und die gute Laune schwindet zunehmend. Zu Recht: Aus scheint der schöne Traum vom verdienten Ausklang des Arbeitstages.

Genau diese Situation ist bei uns leider kein Einzelfall: Unwetter suchen derzeit einige Regionen Österreichs – darunter auch unser schönes Vorarlberg – heim. Das Wetter im Ländle ist zurzeit dementsprechend ziemlich heiß, gleichzeitig aber auch gewittrig und schwenkt schnell um. Zwar herrschen Temperaturen von bis zu 30 Grad, aber die nervigen Quellwolken stehen als dunkles Vorzeichen des Wetterumschwungs drohend am Himmel. Kein Wunder, dass da so mancher meint, die Gewitter würden immer mehr zunehmen. Wenn es um das Wetter geht, gilt vor allem der Klimawandel als böser Schuldiger – doch stimmt das wirklich? Werden die Gewitter jetzt mehr oder nicht? Ändern sich vielleicht auch die Intensitäten?

Sieht man sich die Messwerte an, fällt eines besonders auf: Der Frühling 2018 war der zweitwärmste der Messgeschichte, der absolute Rekord an Sommertagen wurde sogar gebrochen. Die Regenmengen waren außerdem extrem unterschiedlich verteilt: Während es im Großteil Österreichs sehr trocken war und nur halb so viel regnete wie sonst, fiel im Süden des Landes bis zu doppelt so viel Regen. Was noch auffällt, ist, dass das sommerliche Frühlingswetter unterstützte die Bildung von Gewittern, die Gesamtanzahl der Blitze liegt deutlich über dem vieljährigen Durchschnitt.

Doch gab es wirklich mehr Gewitter? Fest steht, dass von Mai bis September im Alpenraum die größten Regenmengen vorkommen. Unter den dann entstehenden Gewittern sind laut den Experten des ZAMG auch viele sogenannte „konvektive Ereignisse“. Diese entstehen, wenn die Sonne den Boden – wie jetzt im Sommer – stark aufheizt. Die erwärmte Luft steigt anschließend in die Höhe (=Konvektion) und lässt mächtige Wolkentürme entstehen. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie auch aufnehmen, so kann es also gut sein, dass eine einzige der Gewitterwolken mehrere Millionen (!) Liter Wasser enthält. Vor allem die explosive Mischung aus sommerlicher Wärme und Feuchtigkeit ist also der Grund für die kräftigen Gewitter – also hat der Klimawandel Mitschuld – zumindest ein bisschen.

Sommergewitter, wie sie gerade im Ländle vorkommen, gibt es jedes Jahr – mal mehr, mal weniger. Anders als vor 30 Jahren gibt es heute kaum mehr ein Gewitter, dass es nicht in die Nachrichten oder in Soziale Netzwerke schafft. Vor allem diese große Aufmerksamkeit, die Gewitter heute dadurch von den Medien erhalten könnte schuld daran sein, dass es so wirkt, als ob es mehr Gewitter gibt, so die Experten des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung des Karlsruher Institutes für Technikforschung. Auch wenn die Zahl der Warnungen nicht gestiegen ist, kommt es uns also vor, als seien sie mehr geworden – und das teilweise nur, weil wir durch Smartphones und Co. besser und schneller informiert und gewarnt werden.

Eine klare Antwort auf die Frage, ob es heute wirklich mehr Gewitter als früher gibt oder nicht, existiert noch gar nicht. Wissenschaftler des ZAMG arbeiten derzeit noch daran, die Entwicklung von sommerlichen Gewittern zu analysieren. Bis 2020 wollen sie eine neue Generation der Klimamodelle mit Szenarien für die Gewitter in nächsten Jahrzehnten erstellen.